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Pflegeheime: 34 Milliarden Euro Investitionen bis 2020

(C) Gerd Altmann / pixelio.de

In den letzten Wochen war es recht ruhig in meinem Blog. Doch heute möchte ich wieder eine interessante Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young vorstellen die sich mit der Pflegebranche beschäftigt. Zentrales Ergebnis dieser Studie ist das es in den nächsten Jahren – bis zum Jahr 2010 – Investitionen von 34 Milliarden Euro in neue Heime benötigt werden.

Ernst & Young geht davon aus das bis zum Jahr 2010 179.000 Menschen mehr als heute stationäre Pflege bedürfen. Daraus errechnet die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft einen Bedarf von rund 2.000 neuen Pflegeheimen. Weiterhin wird von den Autoren jedes dritte deutsche Pflegeheim als sanierungsbedürftig eingestuft – der Ersatzbedarf entspricht einem Äquivalent von weiteren 2.300 Heimen. Insgesamt werden für die 4.300 benötigten Heime rund 34 Milliarden Euro an Investitionen erforderlich sein. Allerdings zeigt sich auch, dass es um die finanziellen Möglichkeiten vieler Heime schlecht bestellt ist. So wird aus Sicht von Ernst & Young jedes siebte Heim der anstehenden Konsolidierungswellte zum Opfer fallen.

Die Studie geht auch auf den Fachkräftemangel in der Altenhilfe ein. Neben den enormen Investitionen ist dies eine weitere Schwierigkeit im Markt der Altenhilfe. Bereits heute bezeichnen es vier von fünf Betreibern als sehr schwer oder schwer, qualifiziertes Pflegepersonal zu finden. Und 86 Prozent befürchten, dass es schon in den kommenden drei Jahren noch schwieriger wird. Ernst & Young geht davon aus das es mindestens 90.000 zusätzliche Fachkräfte benötigt werden um die Anzahl der Pflegebedürftigen im Jahr 2020 betreuen zu können. Zwei Drittel der beteiligten Heimen plädieren dafür, das Image der Pflegeberufe zu verbessern, 54 Prozent der Befragten halten eine bessere Bezahlung für notwendig.

Die Autoren der Studie sehen für die nächsten Jahre einen umfangreichen Konzentrationsprozess voraus. Diese Einschätzung teilen auch die Befragten. Beinahe drei Viertel der Betreiber erwarten einen wachsenden Marktanteil privater Einrichtungen, 72 Prozent einen steigenden Marktanteil von Pflegeketten. Gleichzeitig sieht sich eine klare Mehrheit allerdings nicht als aktiver Teilnehmer am Konzentrationsprozess. “Die Branchenkonsolidierung wird wohl nur von wenigen, tendenziell größeren Betreibern vorangetrieben”, sagt Hans Kersel, Partner bei Ernst & Young. “Vermutlich fehlen der Mehrheit der Unternehmen die Finanzkraft und vielleicht auch die Management-Kapazitäten, um sich aktiv einzumischen.”

Sein Fazit: „Die Pflegebranche steht vor einer gewaltigen Konsolidierung und einer grundlegenden Neustrukturierung. Viele finanzschwache Betreiber werden verschwinden, und vor allem größere Verbünde oder Pflegeheimketten werden zunehmend das Bild prägen. Welche Vorteile sie haben, konnten wir schon bei den Krankenhäusern beobachten: eine größere Einkaufsmacht, bessere Verhandlungspositionen gegenüber den Kostenträgern, eine höhere Investitionskraft und eine größere Anziehungskraft am Personalmarkt. Außerdem haben sie größere Chancen, als Marken wahrgenommen zu werden – von den Einweisern wie von den Angehörigen, die zumeist das Heim auswählen. Einen Teil, aber eben nur einen Teil dieser Vorzüge können kleinere Betreiber erlangen, indem sie sich zu Verbünden zusammenschließen.“

Die Studie “Stationärer Pflegemarkt im Wandel. Gewinner und Verlier 2020″ kann kostenlos auf der Homepage von Ernst & Young heruntergeladen werden. Für die Studie wurden 150 private, freigemeinnützige und öffentlich-rechtliche Betreiber von Pflegeheimen unterschiedlicher Größe aus allen Bundesländern befragt.

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