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Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?

(C) Guedo / pixelio.de

Gerade wird in Berlin über die Hartz-IV-Reform verhandelt. Heute trifft sich die Kanzlerin mit den Partei- und Fraktionsvorsitzenden zu einer “Notsitzung”, damit die Reform doch noch am Freitag durch den Bundesrat kann. Innerhalb dieser Gespräche fordert die SPD schon von Anfang für Leiharbeiter gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Das dies nicht immer so ist zeigt nun eine Studie des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).

Der Deutsche Gewerkschaftsbund hat sich die Lohnsituation der Leiharbeitskräfte genauer angeschaut. Erstmals wurde eine Sonderauswertung der Entgeltstatistik der Bundesagentur für Arbeit vorgelegt, die eine Vollerhebung aller sozialversichert Beschäftigten darstellt und alle laufenden und einmaligen Bruttoverdienste umfasst – einschl. anteiligem Urlaubs- und Weihnachtsgeld, etc. Ein evtl. Zweitjob wurde nicht einbezogen. Insgesamt wurden Lohnangaben für 500.000 Personen (ohne Auszubildende) ausgewertet.

Der DGB kommt bei seinen Berechnungen zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2009 das mittlere Bruttomonatsentgelt von Leiharbeitskräften in den alten Bundesländern lediglich bei 1.456 Euro brutto im Monat lag. In Ostdeutschland (inkl. Berlin) sogar bei nur 1.224 Euro. Diese Bruttogehälter beziehen sich auf einen sozialversicherten Vollzeitjob in der Leiharbeit.

Schon diese Zahlen sind aus meiner Sicht nicht gerade positiv. Interessanter wird es wenn man sich die Einkommenssichtung nach Entgeltklassen anschaut. Hier zeigt sich das Bundesweit 10,5 Prozent aller vollzeitbeschäftigen Leiharbeitskräfte weniger als 1.000 Euro brutto im Monat verdienen. Im Osten ist der Anteil sogar doppelt so hoch (21 %). Hier zeigt sich das viele Leiharbeitskräfte oft noch einen Zweitjob benötigen bzw. Hartz-IV-Aufstocker werden um ein ausreichendes Auskommen zu haben.

Interessant ist auch der Vergleich mit den “normalen” Vollzeitbeschäftigten. Hier zeigt sich nämlich, dass der Grundsatz Equal Pay (also gleiche Bezahlung und Behandlung wie im Entleihbetrieb) noch nicht umgesetzt wird. Seit dem 1. Januar 2004 gibt es diese Gleichbehandlungspflicht der Leiharbeitnehmerschaft mit den vergleichbaren Stammbeschäftigten im Betrieb des Entleihers. Allerdings kann durch Anwendung eines Tarifvertrages von diesem Prinzip abgewichen werden, was in der Praxis anscheinend oft gemacht wird.

Denn der DGB kommt in seinen Berechnungen zum Ergebnis, dass das mittlere Bruttoeinkommen aller Vollzeitbeschäftigen im Jahr 2009 im Westen bei 2.805 € lag. Zum Vergleich bei den Leiharbeitskräften lag das mittlere Bruttomonatsentgelt bei nur 1.456 € brutto im Monat. Bei vergleichbarer Arbeitszeit ergibt sich so ein Einkommensgefälle von 48,1 Prozent, teilte der DGB mit. Allerdings muss man hier darauf hinweisen, dass das hier vom mittleren Bruttoeinkommen die Rede ist, was für mich bedeutet, dass hier der Median untersucht wurde und nicht der Durchschnitt.

Auch untersuchte der DGB wie viel Leiharbeitskräfte trotz sozialversichertem Job noch auf Hartz IV angewiesen sind. Im Unterschied zur Analyse des Bruttoarbeitsentgelts wurden hier auch jene mit einem sozialversicherten Teilzeitjob einbezogen. Hier zeigt sich, dass bei immerhin 13,1 Prozent aller sozialversicherten Leiharbeitskräfte der Lohn über Hartz-IV-Leistungen aufgestockt werden muss. Insofern ist es nachvollziehbar, dass die SPD einen Mindestlohn in der Zeitarbeitsbranche zum Thema bei den Verhandlungen zur Hartz-IV-Reform gemacht hat. Interessant ist hier aus meiner Sicht auch, dass trotz konjunktureller Belebung sich die Zahl der auf Hartz IV angewiesenen Leiharbeitskräfte von Mitte 2009 bis Mitte 2010 rasant erhöht hat. Sie stieg innerhalb eines Jahres um 60 % und damit fast doppelt so stark wie die sozialversicherte Leiharbeit insgesamt.

Die komplette Studie kann auf der Homepage des Deutschen Gewerkschaftsbundes heruntergeladen werden (.pdf-Datei).

Sicherlich kann man auch bei dieser Studie über das methodische Vorgehen streiten. Ich denke trotzdem, dass die Ergebnisse zeigen, dass im Bereich Zeitarbeit durchaus Handlungsbedarf besteht. Gleicher Lohn für gleiche Arbeit sollte aus meiner Sicht in diesem Bereich gelten. Denn dies Aussage sehe ich nicht als eine Ideologie an, sondern als ein gutes Recht von jedem Arbeitnehmer der gute Arbeit erbringt. Aus meiner Sicht soll Leiharbeit die Möglichkeit bieten für Produktionsspitzen oder zusätzlichen Bedarf schnell an Personal zu kommen und nicht langfristig mit Leiharbeiter die Produktionskosten nach unten zu drücken.

Der Bundesverband Zeitarbeit hat sich bisher gegen Equal Pay in der Zeitarbeit ausgesprochen und sieht dies, wie auch einen staatlich festgelegten Mindestlohn, als “Frontalangriff auf die Tarifautonomie”.

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