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Wann geht es Deutschland gut? – Die Suche nach einer neuen Messgröße

(C) Rainer Sturm / pixelio.de

Wann geht es Deutschland gut? Bisher gibt es eine Antwort auf diese Frage hauptsächlich über das Bruttoinlandsprodukt (BIP), das das Wirtschaftswachstum einer Nation misst. Doch in letzter Zeit gab es immer wieder Kritik an dieser Größe. Der Bundestag hat nun eine Enquete-Kommission eingerichtet die sich auf die Suche machen soll nach einer neuen Messgröße.

Das BIP gibt den Gesamtwert aller Güter (Waren und Dienstleistungen)  an, die innerhalb eines Jahres innerhalb der Landesgrenzen einer Volkswirtschaft hergestellt wurden und dem Endverbraucher dienen. Bisherige Annahmen gehen davon aus, dass ein hohes BIP Ausdruck einer erfolgreichen Nation ist.

Doch ist das wirklich so? Eher wohl nicht, denn das BIP hat schon mal einen Fehler in der Konstruktion. Als Beispiel kann man hier das Unglück um die Ölplattform Deepwater Horizon heranziehen. Die Ölplattform die im April 2010 explodierte förderte das BIP in Amerika. Denn es waren jede Menge Waren und Dienstleistungen nötig um die Folgen der Ölkatastrophe zu beseitigen. Diese wurden auch in das BIP von Amerika miteinberechnet, woraufhin dies wuchs. Die langfristigen Kosten, wurden allerdings nicht betrachtet.

Einen weiteren Anhaltspunkt wieso das BIP nicht unbedingt wieder gibt ob es einer Nation gut geht oder nicht gibt die Glücksforschung. In verschiedenen Studien wurde herausgefunden, dass durch ein gestiegenes BIP nicht auch das Glück und die Lebenszufriedenheit in einem Land zunimmt. Eher ist es so, dass ab einer bestimmten wirtschaftlichen Leistung die Lebenszufriedenheit gleich bleibt bzw. zurückgeht.

Daher hat nun der Bundestag eine Enquete-Kommission eingesetzt die eine neue Messgröße finden soll. Ziel ist die Entwicklung eines neuen Fortschrittsindikators, der sich zwar weiterhin auch auf das Bruttoinlandsprodukt (BIP) als Messgröße stützen soll, diese Kategorien jedoch modifiziert und durch neue Kriterien ergänzt. Das rein ökonomische und quantitativ ausgerichtete BIP als Messgröße für gesellschaftliches Wohlergehen soll hierbei weiterentwickelt und etwa um ökologische, soziale und kulturelle Kriterien ergänzt werden.

In der Kommission werden sechs Mitglieder der Unionsfraktion, vier von der SPD-Fraktion, drei von der FDP-Fraktion sowie jeweils zwei von der Fraktionen Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen sitzen. Weiterhin wird die Kommission durch genauso viele Wissenschaftler wie Parlamentarier unterstützt.

Mit der Einrichtung der Kommission befindet sich Deutschland in guter Gesellschaft. In Frankreich arbeitet schon die Stiglitz-Kommission alternativen zum BIP aus. Diese wurde vom französischen Präsidenten eingesetzt und tagte unter dem Vorsitz des US-Nobelpreisträgers und Wirtschaftswissenschaftler Joseph E. Stiglitz.

Das Arbeitsprogramm der Kommission soll auf einer nichtöffentlichen Klausurtagung am 6. und 7. Februar debattiert werden. Die erste Arbeitssitzung findet am 14. März statt. Der Zeitplan wird auf jeden Fall knapp sein, denn bis Ende der Legislaturperiode sollen Ergebnisse präsentiert werden.

Man darf gespannt sein auf welche Ergebnisse die Kommission kommt und welche Alternativen zur reinen BIP-Berechnung es gibt. Interessant wird sicherlich auch welche Rolle der soziale Aspekt in einer neuen Messgröße spielt. Denn der Wohlstand und die Lebensqualität eines Landes ist auch durch Soziales beeinflusst, zum Beispiel die Ausgestaltung des sozialen Sicherungssysstem oder die ausreichende Bereitstellung von Kinderbetreuungseinrichtungen. Ich werde auf meinem Blog daher über die Ergebnisse der Kommission weiter berichten.

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