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Hartz-IV: Ehrenamtlich Engagierte sollen schlechter gestellt werden

(C) S. Hofschlaeger / pixelio.de

Im Jahr 2011 hat die Europäische Union das “Jahr des Ehrenamts” ausgerufen. Gerade in diesem Jahr plant die schwarz-gelbe Koalition steuerliche Vorteile für Hartz-IV-Bezieher die ehrenamtlich tätig sind zu kürzen. Damit wird sie sicherlich nicht das ehrenamtliche Engagement fördern.

Übungsleiter und zum Beispiel auch ehrenamtliche Bürgermeistert erhalten oft eine Aufwandsentschädigung für ihre Tätigkeiten. Zu ihrem Gehalt dürfen sie pro Jahr 2100 Euro steuer- und sozialabgabenfrei hinzuverdienen. Liegt die Vergütung höher, kappt das Finanzamt nur von dem Teil ein Stück ab, der den Freibetrag übersteigt. Die Regelung gilt für die meisten Bürger die ehrenamtlich aktiv sind, egal ob als Ausbilder, Betreuer, Erzieher oder Pfleger im Kinder-, Jugend- oder Seniorenbereich, ob im Sport, in Kunst oder Kultur. Die einzige Voraussetzung ist, dass der Träger von der öffentlichen Hand, der Kirche oder ein gemeinnütziger Verein sein muss.

Bisher galt diese Regelung auch für Hartz-IV-Empfänger, wenn diese sich ehrenamtlich engagierten. Dies möchte aber nun die schwarz-gelbe Koalition ändern und zwar dahingehend, dass die Aufwandsentschädigung künftig als Einkommen voll auf den Hartz-IV-Regelsatz angerechnet wird. Dies würde bedeuten, dass die meisten Hartz-IV-Empfänger dann einen geringeren Regelsatz ausgezahlt bekommen und damit trotz ehrenamtlichen Engagements schlechter gestellt werden.

Gegen diese Pläne formiert sich nun breiter Wiederstand. Neben den Oppositionsparteien im Bundestag, protestiert auch der Deutsche Städte- und Gemeindebund gegen diese Diskriminierung von Hartz-IV-Empfänger. Letzteren geht vor allem die Sorge um, dass dann die Tätigkeit als ehrenamtlicher Bürgermeister noch unattraktiver werden. Geraden in Bundesländern wie Mecklenburg-Vorpommern sind auch einige ehrenamtliche Bürgermeister gleichzeitig Hartz-IV-Empfänger.

Auch innerhalb der Wohlfahrtsverbände formiert sich der Protest gegen diese Reform. So warnt der Vorsitzende des Paritätischen Gesamtverbandes, Eberhard Jüttner: “Sollte diese Regelung Gesetzeskraft erlangen, würde die Zwei-Klassen-Gesellschaft auch im Ehrenamt Einzug halten.”

Ich sehe diese Reform auch sehr skeptisch. Ich bin überzeugt das ehrenamtliches Engagement eine wichtige Stütze in unserer Gesellschaft ist und in den nächsten Jahren sicherlich auch noch stärker benötigt werden wird. Hartz-IV-Empfänger die sich nun ehrenamtlich engagieren schlechter zu stellen wie normale Ehrenamtliche halte ich hier für den falschen Weg.

Ich denke viel lieber sollte man froh sein, dass sich Hartz-IV-Empfänger nicht komplett aufgeben und sich ehrenamtlich engagieren und dieses auch belohnen. Denn in diesem Bereich können diese auch wichtige Fähigkeiten lernen, die sie für einen späteren Berufswiedereinstieg benötigen. Insofern sollte man ihnen auch den steuerlichen Freibetrag von 2.100 Euro zusprechen.

Man darf also gespannt sein, wie die Regierung weiter mit dieser Reform umgeht. Ein positives Zeichen im Europäischen Jahr des Ehrenamts setzt damit die schwarz-gelbe Koalition aber sicherlich nicht!

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2 Kommentare

  1. Man man man, die tun immer alle so, als würde man sich als Ehrenamtler überhaupt dumm und dämlich verdienen. Ehrenamt bedeutet sich sozial zu engagieren ohne in den allermeisten Fällen eine angemessene finanzielle Entschädigung zu erhalten. Oft decken diese nicht einmal entstandene Kosten.

    Aber wenn dann an der Aufwandentschädigung seitens unserer Regierung gedreht wird, kann man sich sein, die, die wirklich hohe Entschädigungen erhalten (Kommunalpolitiker), die müssen dann nicht mal versteuern. Alle anderen sehr wohl schon!

  2. Hallo creezy,
    vielen Dank für deinen Kommentar! An dieser STelle möchte ich aber nochmals darauf hinweisen, das die Ehrenamtspauschale für alle ehrenamtlich Aktiven steuerfrei istund nicht auf die Steuer angerechnet wird!
    Beste Grüße
    Sebastian Ottmann

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